Erlebt 7

Ich sitze zuhause. Mein Phon klingelt. Eine Mitarbeiterin aus dem Makarios ist dran.

„Andreas, bei mir ist #. Er sagt, dass im Makarios eingebrochen worden sei und dass dort Jugendliche sich herumtreiben.“
„Oh nein. Kannst Du rüber gehen und schauen was da dran ist?“
„Klar mach ich. Ich dachte nur ich frag mal, nicht dass vermietet ist oder so.“
„Ne, vermietet ist nicht. Rufst mich dann an, wenn Du was weißt.“
„Klar. Bis dann.“

Ich warte. Bin etwas angespannt. Nach 10 Minuten klingelt es wieder. Es ist wieder die Mitarbeiterin.

„Also es scheint so, dass # selber, die Kinder rein gelassen hat. Es war wohl eine Tür nicht richtig zu. # hat das bemerkt und dann diese Tür von außen geöffnet und seine beiden Freunde rein gelassen. Die sind aber jetzt alle weg, bis auf #.“
„Hm, da haben ** nicht richtig aufgepasst und # hat es ausgenutzt. Ziemlich ärgerlich.“
„Ja ärgerlich.“
„Wie kommt # auf die Idee, sowas zu machen? Ist der noch bei Trost?“

Ich bin voll geladen und würde # am liebsten zwischen meinen Händen zerreiben.

„Schick # nach Hause und mach bitte alles zu. Ich werd ihn mir Morgen mal vorknöpfen.“
„OK. Bis dann.“

Am nächsten Tag rede ich mit den Mitarbeitern, die am betreffenden Tag Dienst hatten um heraus zu finden, was sich zugetragen hat. Schlußendlich ergibt sich folgendes Bild:

# hat sich, mit dem Vorwand, sein Handy im Haus vergessen zu haben noch einmal Zutritt zum Makarios verschafft, als schon alles abgeschlossen war. Er wurde eingelassen und hat dann die Hof-Türe von innen geöffnet, so dass sie  von außen aussieht wie geschlossen, aber geöffnet werden kann. Dies mit der klaren Absicht, sobald die anderen MA weg sind, mit seinen Freunden ins Makarios ein zu dringen. Als er wieder draussen war und die MA weg gegangen, hat er über unseren Hof das Haus wieder betreten und zwei seiner Freunde eingeladen, das Makarios mit ihm zu „nutzen“. Irgendwann hat er entweder Schiss bekommen, oder aber wollte er sich „wichtig“ machen und ist zu D. rübergelaufen um ihr zu „petzen“ , dass ins Makarios „eingebrochen“ wurde und noch zwei der Kinder dort seien. Er hat wohl nicht gedacht, dass wir miteinander sprechen und letztlich herausfinden was wirklich passiert ist. Sein Motiv ist uns (und ich denke auch ihm) unklar geblieben. Aber seine Strafe hat er willig in Kauf genommen und so letztlich wieder Vertrauen erarbeitet.

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Erlebt 6 – Sackratten

Das ganze ist schätzungsweise 10 Jahre her. Damals war es noch gut möglich, mit einigen Jugendlichen auf Wochenenden und Kurzfreizeiten zu fahren. Eines, das wir regelmäßig machten, war um Pfingsten auf den Zeltplatz des CVJM Esslingen auf dem Kornberg zu fahren. Der Zeltplatz liegt direkt im Naturschutzgebiet und bietet fast keinen Komfort – außer einem Klohäuschen und eine Spüle. Wir fuhren damals mit dem CVJM Bus und einem Pkw. Die Jugendlichen hatten zum großen Teil eigene Zelte von Aldi und Co dabei. Die Tage waren warm und wolkenlos, die Nächte dafür sehr kalt. Die meisten Jugendlichen waren zum ersten Mal beim zelten, einige sogar zum ersten Mal ausserhalb der Pliensauvorstadt.

Eines Nachts – ich meine es wäre die letzte Nacht gewesen, wurde ich von einigen Jugendlichen geweckt.
„Andi, komm mal. # hat eine Zecke.“
„Na dann macht die doch mal raus.“
„Ne Andi – das musst Du machen.“

Ich aus dem Schlafsack raus – wie gesagt es war A….kalt.

„Wo ist #?“
„In seinem Zelt.“

Ich dackel hin.

„#, was ist mit der Zecke.“
„Mensch Andi, ich hab die Zecke da unten.“
„Wo da unten? Am Fuß?“
„Ne, da unten am Sack.“
„Wie bitte? Na dann lass mal sehen:“
„Doch nicht hier, die anderen gucken alle.“
„OK. Gehen wir rüber an den Wald. Hast Du eine Taschenlampe?“

Wir gehen an den Waldrand. # zieht die Hose runter und lässt mich an der Seite seiner Unterhose auf seinen Sack schauen. Ich versuche was zu erkennen.

„Hm. Bis Du sicher, dass das nicht einfach eine Hautveränderung ist? Sieht mir nicht nach Zecke aus.“
„Das ist ´ne Zecke. Andi muss ich jetzt sterben?“ [ich weiß nimmer genau, ob das so stimmt, das mit dem sterben – aber so wird die Geschichte dramatischer :-)]
„Quatsch, wie kommst Du auf die Idee. Wenn dann bekommst Du eine Krankheit – wenn überhaupt. Also ich kann nichts richtig sehen. Wir müssen bis Morgen früh warten, ich kann zu wenig erkennen.“
„Bis Morgen früh? Das schaff ich nicht.!“
„Doch das schaffst Du. Es ist auch nicht besser, wenn wir da jetzt dran rumdoktern und dann „bricht“ sie ab. Leg Dich in Dein Zelt und schlaf. Morgen schauen wir weiter.“

# schaut mich unsicher an. Aber schließlich geht er. Ich geh auch wieder und zwar in meinen Schlafsack. Am nächsten Tag wollte # dann nicht mehr schauen lassen.

„Lass mal Andi, ich geh zum Arzt, wenn wir zuhause sind.“
„Sicher? OK, das ist mir auch recht.“

Der Arzt hat dann wohl wirklich eine Zecke entfernt. # lebt noch und erfreut sich guter Gesundheit. Keine negative Folgen 🙂