Winterbach statt Kornberg

Einige Zitate aus unserer letzten Freizeit. Ursprünglich auf dem Kornberg geplant – mit Zelten – aber aufgrund der Wetterprognose nach Winterbach verlegt.

Bei gemeinsamen Lagerfeuer, grillen die  Jugendliche Marshmellows. Einer von ihnen steckt sich eine größere Menge in den Mund und sagt, nachdem er geschluckt hat: “…wenn dann die Marschmellows am Boxsack anschlagen….”  [gemeint mit Boxsack ist das Zäpfle im Rachen].

Auf der Fahrt: „Ich geh die nächsten zwei Tage nicht kacken, weil es ist doch voll peinlich, wenn man auf dem Klo sitzt und dann stickt es und es kommt jemand rein. Bei der letzten Freizeit war ich vier Tage nicht“. Viel Zustimmung von den Kollegen im Bus. Als am nächsten Tag jemand einen kräftigen Furz lässt und alle mit Tüchern vor der Nase rumlaufen, und sämtliche Fenster aufgerissen werden, bekennt sich eben derjenige stolz zu seiner Tat, der auf der Hinfahrt von der Peinlichkeit stinkender Sitzungen auf dem Klo erzählt hat. Beim furzen scheint der Gestank kein Problem zu sein.

Die Vergangenheit von „sie schreit“ ist: „sie schrut“

Bei einem Spiel, bei dem man die Identität „bekannter“ Leute annehmen muss, ist ein Mitarbeiter Anette Schavan. Keiner der Jugendlichen hat auch nur den Hauch einer Ahnung, wer das sein könnte. Als der Mitarbeiter erraten wird und erklärt, dass Frau Schavan die Bundesbildungsministerin war (bis vor kurzem), herrscht großes Rätselraten, was das denn überhaupt sein soll – eine Bundesbildungsministerin…

Im Schwimmbad: Ein Mitarbeiter gibt einige wichtige Informationen: “… um 15.45 Uhr treffen wir uns wieder hier am Ausgang. Seid bitte pünktlich, weil sonst müsst ihr nach zahlen“.” Als eine MA noch hinzufügen will, dass sich alle an die Baderegeln sollen, haben die Jugendlichen schon längst abgedreht. Ein Jugendlicher dreht sich um: “Und wann sollen wir hier wieder sein?”

Nochmal im Schwimmbad: In der Sammelumkleidekabine ergibt sich ein Gespräch – wie eklig es sei, wenn man ohne Unterhose in die Badehose rein steigen muss. Auf meine Nachfrage, wie ich das verstehen muss:“Ich lass immer meine Unterhose an, wenn ich die Badehose anziehe!“  –  KEIN Kommentar Smiley

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Erlebt: Kornberg 2012

Vor kurzem waren wir mit dem Makarios, nach längerer Pause, mal wieder auf dem genialen Zeltplatz des CVJM Esslingen auf dem Kornberg. Der Platz liegt mitten im Naturschutzgebiet. Es gibt eine Hütte mit Toiletten (ohne Spülung) und Waschbecken (ohne fließend Wasser). Vier Tage, bzw. drei Nächte verbrachten wir dort mit insgesamt neun Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren. Wir das waren drei Mitarbeiter aus dem Makarios (einer davon ich!).

Folgendes hat sich (dort) ereignet:

In der Woche vor den Pfingstferien hatten wir sechs Anmeldungen. Also gingen wir in der Schule nochmal kräftig einladen. Und tatsächlich, am Nachmittag klingelte dreimal mein Telefon – Eltern die ihre Kinder anmelden wollten. Hurra – wir machten aus, dass die Jugendlichen am nächsten Tag die Anmeldungen in den Briefkasten des Makarios werfen sollten. Doch am Tag darauf war nichts im Kasten 😦 ich also ran an mein Telefon und nachgefragt (glücklicherweise gibt es ja sowas wie Anruferkennung!). Doch der erste Rückruf war gleich frustrierend: „Hallo, hier spricht Andreas Peschke vom Makarios. Wir hatten gestern gesprochen, wegen der Zeltfreizeit. Wir hatten ausgemacht, dass die Jungs ihre Anmeldungen im Makarios einwerfen. Aber ich hab nichts gefunden. Nun wollte ich nachfragen, ob die Jungs mitkommen.“
„Ne, wir haben schon was anderes vor.“
„Schade. Aber wenn ihr es euch noch anders überlegt, dann meldet euch. Bis dann.“

Am Montag, zwei Tage vor der Abfahrt gab es dann sieben Anmeldungen. Fünf Mädchen, zwei Jungs. Und am Abfahrtstag kamen dann doch noch die zwei Jungs dazu. Es stellte sich heraus, dass ich mit dem Vater telefoniert hatte und dieser nicht wusste, dass ich der war, bei dem er seine Jungs anmelden wollte. Gleichzeitig hatte der ältere der Jungs behauptet, die Anmeldung bei uns eingeworfen zu haben. Nun ja, war nicht so schwierig, wir hatten ja noch Platz in einem Auto. Wegen Essen – das müsste auch reichen!  Doch da wussten wir noch was entscheidendes nicht: drei der Jungs essen nur Helal Fleisch und Wurst! Also nach speziellem Ritus geschlachtetes Tier!

Doch auch das bekamen wir in den Griff – schließlich gibt es vegetarisches Essen.

Wir hatten dort dann viel Regen, wenig Sonne, aber dafür umso mehr Spaß miteinander. Am Samstag Morgen, dem Abfahrtstag, wollten die Jugendlichen gar nicht nach Hause! Na das ist doch mal eine Ansage.

Hier noch einige Originalzitate:

Ein Ball liegt auf der Wiese, wo er definitiv nicht hingehört.
Andreas sagt: Hey schießt die Bälle hier nicht in der Gegend herum!
#: Ich hab nicht geschissen.

# hat Streit mit einer Menge Mädchen. * gibt # einen Zettel und sagt: „nur ein Todesbrief nichts schlimmes“.
# will den Zettel lesen und sagt: „ich les das alleine“.
Nach kurzer Zeit zu %: „Kannst Du mir das vorlesen, ich kann es nicht.“

Christiane: Wir grillen heute Abend!
*: und was essen wir heute Abend?

* erzählt, dass er abends öfters nichts isst. „Ich esse Mittags öfter ziemlich viel. Und dann manchmal noch ein Stück Kuchen. Da habe ich dann Abends einfach keinen Hunger mehr.“
Darauf #: „Was wir hatten heute doch keinen Kuchen!“

Beim Geländespiel mit GPS Geräten werden in zwei Gruppen verschiedene Wegpunkte abgelaufen. Dort sind Hinweiszettel, welches der nächste Wegpunkt ist und Süßigkeiten versteckt. Die Mädels haben an ihrem ersten Wegpunkt, statt ihr eigenes, das der Jungs gefunden und mitgenommen. Unabsichtlich! Als das sicher geklärt ist, sagt Andreas: „Ich finde die Mädchen sollten sich bei den Jungs entschuldigen, dass sie die Sachen vom Wegpunkt der Jungs mitgenommen haben.“
„Nein niemals. Was können wir dafür, wenn die Jungs zu blöd sind ihren Punkt zu finden?“
„Hallo, sie konnten nichts mehr finden, weil ihr die Sachen von ihrem Wegpunkt mitgenommen habt.“
„Wir haben ihre Sachen nicht genommen. Unsere Geräte haben null Meter angezeigt.“
„Das kann ich mir nicht vorstellen, dass die GPS Geräte so ungenau sind.“
„Wieso ungenau. Wir haben nur unsere Sachen genommen“
„Sagt mal. Rede ich eine fremde Sprache, oder habt ihr was auf den Ohren? Eure Sachen waren noch da. Also habt ihr die Sachen der Jungs genommen.“
„Nein, haben wir nicht!“
„Doch!“
so geht es eine Weile weiter
Andreas:“Sagt mal, man kann sich doch entschuldigen, wenn man erkennt dass man einen Fehler gemacht hat, absichtlich oder nicht. Da fällt einem doch kein Zacken aus der Krone.“
„Schrei doch nicht so.“

„Du hast gesagt, wir dürfen heute zu fünft in ein Zelt.“
„Nein hab ich gar nicht“
„Was echt nicht?“

Andreas:“Das Beil bitte nicht so benutzen, dass man direkt auf dem Boden hackt. Wenn das in den Boden geht, und da ist ein Stein, dann wird es stumpf!“
# nimmt das Beil. Einen Stock. Hackt auf dem Boden mit dem Beil ein.
„Hallo, # was hab ich grade gesagt“
Achselzucken. Und dann doch noch die Antwort: „Nicht mit dem Beil direkt auf dem Boden hacken“

„Darf ich Feuer machen?“
Andreas:“Wenn wir Mittag gegessen haben, dann machen wir das Geländespiel und danach kannst Du Feuer machen.“
10 Minuten später.
„Darf ich Feuer machen?“
Andreas:“Erst essen wir zu Mittag. Dann machen wir das Geländespiel. Danach kannst Du zündeln.“
7 Minuten später.
„Kann ich Feuer anmachen?
„Was hab ich eigentlich die ganze Zeit gesagt? Erst Mittagessen. Dann Geländespiel. Dann Feuer.“
Nochmal einige Minuten später.
„Wann kann ich Feuer anmachen?“

Erlebt 7

Ich sitze zuhause. Mein Phon klingelt. Eine Mitarbeiterin aus dem Makarios ist dran.

„Andreas, bei mir ist #. Er sagt, dass im Makarios eingebrochen worden sei und dass dort Jugendliche sich herumtreiben.“
„Oh nein. Kannst Du rüber gehen und schauen was da dran ist?“
„Klar mach ich. Ich dachte nur ich frag mal, nicht dass vermietet ist oder so.“
„Ne, vermietet ist nicht. Rufst mich dann an, wenn Du was weißt.“
„Klar. Bis dann.“

Ich warte. Bin etwas angespannt. Nach 10 Minuten klingelt es wieder. Es ist wieder die Mitarbeiterin.

„Also es scheint so, dass # selber, die Kinder rein gelassen hat. Es war wohl eine Tür nicht richtig zu. # hat das bemerkt und dann diese Tür von außen geöffnet und seine beiden Freunde rein gelassen. Die sind aber jetzt alle weg, bis auf #.“
„Hm, da haben ** nicht richtig aufgepasst und # hat es ausgenutzt. Ziemlich ärgerlich.“
„Ja ärgerlich.“
„Wie kommt # auf die Idee, sowas zu machen? Ist der noch bei Trost?“

Ich bin voll geladen und würde # am liebsten zwischen meinen Händen zerreiben.

„Schick # nach Hause und mach bitte alles zu. Ich werd ihn mir Morgen mal vorknöpfen.“
„OK. Bis dann.“

Am nächsten Tag rede ich mit den Mitarbeitern, die am betreffenden Tag Dienst hatten um heraus zu finden, was sich zugetragen hat. Schlußendlich ergibt sich folgendes Bild:

# hat sich, mit dem Vorwand, sein Handy im Haus vergessen zu haben noch einmal Zutritt zum Makarios verschafft, als schon alles abgeschlossen war. Er wurde eingelassen und hat dann die Hof-Türe von innen geöffnet, so dass sie  von außen aussieht wie geschlossen, aber geöffnet werden kann. Dies mit der klaren Absicht, sobald die anderen MA weg sind, mit seinen Freunden ins Makarios ein zu dringen. Als er wieder draussen war und die MA weg gegangen, hat er über unseren Hof das Haus wieder betreten und zwei seiner Freunde eingeladen, das Makarios mit ihm zu „nutzen“. Irgendwann hat er entweder Schiss bekommen, oder aber wollte er sich „wichtig“ machen und ist zu D. rübergelaufen um ihr zu „petzen“ , dass ins Makarios „eingebrochen“ wurde und noch zwei der Kinder dort seien. Er hat wohl nicht gedacht, dass wir miteinander sprechen und letztlich herausfinden was wirklich passiert ist. Sein Motiv ist uns (und ich denke auch ihm) unklar geblieben. Aber seine Strafe hat er willig in Kauf genommen und so letztlich wieder Vertrauen erarbeitet.

Erlebt 4

Ist schon einige Jahre her.

Wir waren mit einem Bus voller Jugendlicher, alle zwischen 15 und 17 in Witzwort. Das ist ein Dorf ziemlich weit im Norden von Deutschland, unweit der Küste. Dort hatten wir ein tolles Haus angemietet, das viel Platz bot, so dass die Einen die Nächte durchmachen konnten, während die Anderen schliefen. Es war die erste längere Freizeit (7 Tage), die ich mit Jugendlichen aus dem Makarios machte. Mein damaliger Praktikant Rajive hatte einen sehr guten Draht zu vielen unserer Besucher und deshalb konnten wir dann auch mit sieben Jugendlichen fahren.

Wir hatten eine echt gute Zeit. Mit vielen Gesprächen und coolen Unternehmungen. Die meisten unserer Jugendlichen waren noch nie über Esslingen raus gekommen – außer halt mit dem Flugzeug in die Türkei. Für die war das schon was ganz besonders. An einem Tag wollten sie eine Wattwanderung machen. Ich habe darauf bestanden, dass sie nicht einfach alleine über das Watt laufen, die hatten ja keine Ahnung, wie man sich da benimmt. Es war aber schnell klar, dass eine geführte Wattwanderung den Jungs zu blöd und zu teuer werden würde. Schade – heute würde ich vermutlich die Kosten übernehmen um den Jugendlichen diese Erfahrung zu ermöglichen. Damals hab ich vor allem darauf geschaut, dass wir nach der Freizeit noch etwas vom Jahresetat übrig haben (was ja auch seine Berechtigung hat). Also sind sie nicht Wattgewandert – zumindest nicht geführt. Aber sie haben gesehen, wie es aussieht und sind mal ein Stück drauf gegangen. 🙂

Am Tag unserer Rückfahrt, wollten zwei der Jugendlichen unbedingt mit dem Zug alleine zurück nach Esslingen fahren. Es gab damals ein Ticket für wenig Geld, womit man durch ganz Deutschland fahren konnte, allerdings durfte man nur bestimmte Züge benutzen (ein Vorläufer des Schönen Wochenende Tickets). Ich hatte zwar meine Bedenken, aber die Jungs waren ja nicht auf den Kopf gefallen.

„Seid ihr sicher, dass ihr das wollt?“
„Klar, ist doch cool.“
„Und was macht ihr, wenn ihr irgendwo nicht weiter kommt?“
„Wieso sollten wir nicht weiter kommen?“
„Also soweit ich weiß, gilt das Ticket doch nur für so Bummelzüge. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr damit heute noch nach Esslingen kommen werdet.“
„Ach das klappt schon.“

Wir also an den nächsten Bahnhof, die beiden am Bahnsteig abgeliefert – geschaut, dass sie auch ein Ticket kaufen 🙂 und den Zug rausgesucht, in den sie einsteigen sollten. Tschüß gesagt und dann weiter gefahren. Ich denke, dass ich noch mit den Eltern der Jungs gesprochen habe, und ich meine, wir hätten sogar einen Bahnbeamten (sowas gab es damals noch) gefragt, ob die damit bis nach Stuttgart fahren könnten – kann mich aber nicht mehr daran erinnern.

Wir waren noch keine halbe Stunde gefahren, als ein Handy klingelte (es gab schon Handys, aber mit denen konnte man nur telefonieren und das war ziemlich teuer – etwa 1,60 DM (=0,80cent) pro Minute). Einer der beiden Zugfahrer war dran. Wir sollten sie an dem und dem Bahnhof wieder abholen.
Ich war dachte nur, dass darf doch nicht wahr sein. Zuerst große Klappe und dann schon wieder den „Schw…“ einziehen. Ich hatte keine Lust die Abzuholen. Warum auch? Die wollten doch mit dem Zug ein Abenteuer erleben und jetzt schon aufgeben?
Letztlich sind wir dann doch zu dem Bahnhof gefahren, den die beiden genannt hatten. War ein gewaltiger Umweg und ich war echt genervt.

Wir am Bahnhof – Zug fährt ein – tatsächlich die beiden sind drin. Steigen aus. Ich frage:“ Was war das jetzt bitte?“
„Da kam der Schaffner. Der hat gefragt, wo wir hin fahren wollen. Als wir gesagt haben, nach Stuttgart hat der gemeint, das würden wir heute sicherlich niemals schaffen. Da haben wir Panik bekommen. Deshalb dann angerufen.“

Tja. Dann sind wir halt alle mit dem Kleinbus zurück.